Karies - das sollten Sie über Karius und Baktus wissen

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Natürlich wissen Sie, dass Zucker schlecht für die Zähne ist, und dass Bakterien daran schuld sind. Wie aber schaffen es diese kleinen Biester, den Zahnschmelz - immerhin die härteste Substanz des menschlichen Körpers - einfach aufzuweichen und ein riesiges Loch in einen harten Zahn zu knabbern? Warum legen wir Zahnärzte soviel Wert darauf, Ihre Zähne jedes halbe, und nicht nur einmal jährlich zu kontrollieren? Und haben Sie sich nicht auch schon immer gefragt, was der Tomaten mit der Zahnbürste quetschende Fernsehzahnarzt meint, wenn er von Parodontose redet? Hier finden Sie die Antworten auf diese Fragen.

Bakterien und Zucker führen zu Karies

In der Mundhöhle leben mindestens 300 verschiedene Bakterienarten. Etwa 100 Milliarden Bakterien reifen dort jeden Tag heran. Vergegenwärtigen Sie sich diese ungeheure Menge. Zum Vergleich: Deutschland hat 80 Millionen Einwohner. Die Bakterien leben auf und zwischen den Zähnen, im Speichel, am Zahnfleischrand, in den Zahnfleischtaschen, in der zerfurchten Zungenoberfläche - also praktisch überall im Mund. Viele von Ihnen sind gutartig, aber auch ganz gemeine Exemplare befinden sich darunter. Sie haben sonderbare, lateinische Namen. Hauptverantwortlich für die Entstehung von Karies ist ein Bakterium namens Streptococcus mutans.

Von der eigenen Mutter angesteckt

Aber wie kommt dieses Bakterium in unseren Mund? Bringen wir es schon bei der Geburt mit auf die Welt? Nein, tun wir nicht. Normalerweise werden wir von unseren Müttern angesteckt, wenn Sie uns mit Brei füttern und dabei den Löffel oder unseren Nuckel ablecken. Ein Punkt, den Sie bei Ihren eigenen Kindern besser machen können!

Säure entkalkt den harten Zahnschmelz

Jeden Tag nehmen wir große Mengen Zucker zu uns, denn kaum ein Nahrungsmittel kommt heute ohne Zucker aus. Die Streptokokken, die praktisch jeder von uns im Mund hat, fressen den Zucker aus der Nahrung, er dient Ihnen als Energiequelle. Sie bilden mit seiner HIlfe um sich selbst herum den sie schützenden Zahnbelag (ein Biofilm, den wir Plaque nennen), in dem sie weiterleben, sich explosionsartig vermehren und aus immer mehr Zucker immer mehr Säure produzieren. Der pH-Wert im Mund sinkt in den sauren Bereich. Dieser andauernde Säureangriff entkalkt den sonst so harten Zahnschmelz und macht ihn angreifbar.

Der Zahnnerv wird zerstört

Sie frisst sich bis in den Bereich des Zahnnerven voran, und das verursacht die bekannten Zahnschmerzen. Entzündet sich der Zahnnerv durch die Kariesbakterien, kommt es zu starken Dauerschmerzen und eine Wurzelbehandlung wird notwendig. Wird die Entzündung eitrig, kommt es zur berühmten dicken Wange. Eitrige Zähne müssen häufig gezogen werden, großflächig zerstörte Zähne benötigen Kronen, um sie vor dem Zerbrechen zu schützen.

Ist Ihnen im obigen Text zwei mal das halbe Jahr aufgefallen? Wir Zahnärzte fordern eine halbjährliche Kontrolle, damit wir eine evtl. entstehende Karies erwischen, während sie sich noch auf den harten Zahnschmelz beschränkt, und das weiche Dentin noch nicht großflächig zerstören konnte. Finden Sie nicht auch, dass unter diesem Aspekt halbjährliche Kontrollen wirklich Sinn machen?

Ein sauberer Zahn wird nicht krank

Viele Menschen glauben, dass ihnen schlechte Zähne oder eine kariesanfällige Zahnsubstanz vererbt wurden. Das spielt eine kleine Rolle, aber meist keine entscheidende. Egal wie schlecht die Erbanlage ist, wenn man es schafft einen Zahn immer frei von Zahnbelag zu halten, wird er auch keine Karies bekommen. Ein sauberer Zahn wird nicht krank. Einen Zahn der verdreht und schief hinter einem anderen steht richtig sauber zu halten, ist jedoch schwierig. Deshalb empfiehlt sich bei schiefen Zähnen eine kieferorthopädische Behandlung, sowie eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung, in der wir Ihnen die Stellen professionell säubern, die Sie selbst nicht optimal erreichen.

Eine weitere, nicht unwichtige Rolle spielt die Anzahl bösartiger Bakterien in ihrem Mund. Wer viele bösartige Bakterien im Mund hat, ist auch anfälliger für Karies. Mit einem Karies-Risikotest ist ihr persönliches Kariesrisiko schnell festgestellt. Fragen Sie uns!

Und was ist Parodontose?

Wie es zur zweiten großen Krankheit im Mund, der Parodontitis bzw. Parodontose kommt, und welche enormen Schäden sie verursacht, erfahren Sie hier.

Links eine gerade beginnende Karies, die unbehandelt nach ca. einem Jahr bereits einen großen Teil des Zahnes zerstört haben wird (Bild rechts). Ein guter Grund Zähne nicht jährlichen, sondern halbjährlichen Kontrollen zu unterziehen, finden Sie nicht?
Wenige Mahlzeiten pro Tag sind hilfreich

Normalerweise würde nach ein bis zwei Stunden der Speichel die Säure weggespült, und den sauren pH-Wert wieder neutralisiert haben. Trinkt man aber alle zwei Stunden einen Schluck Cola oder isst zuckerhaltige Nahrungsmittel (wir beobachten das bei vielen Jugendlichen), kommt der pH-Wert gar nicht mehr aus dem sauren Bereich heraus, die Zähne werden "dauerentkalkt". Der Zahnbelag schützt die Bakterien vor Dingen, die viele von Ihnen nicht mögen, z. B. Sauerstoff. Ziemlich genial für ein Wesen ohne Gehirn, einen am Zahn klebenden Belag zu bilden, in dem man selbst geschützt leben und sich vermehren kann, oder? Jeden Tag müssen wir mit der Zahnbürste gegen diesen Mikrofilm ankämpfen. Machen Sie es einmal nicht, können Sie abends mit dem Fingernagel am Zahnfleischrand eine richtige Schicht Zahnbelag vom Zahn kratzen. Wenn Sie diesen Belag mit Druck zwischen den Fingerspitzen trocken reiben und dann daran riechen, bekommen Sie auch eine gute Vorstellung davon, wie Mundgeruch entsteht.

Wichtig: halbjährliche Kontrolle beim Zahnarzt

Die von den Bakterien aus Zucker gebildete Säure entkalkt den harten Zahnschmelz. Erst bekommt er weiße, kalkige Flecken, dann finden wir in der Oberfläche die ersten kleinen Löcher.Leider ist die Schmelzschicht des Zahnes nur dünn, so dass die Kariesbakterien sie in ca. einem halben Jahr komplett durchdrungen haben. Unter der Schmelzschicht findet sich das Dentin (Zahnbein). Es ist viel weicher als der Schmelz und beherbergt in seinem Inneren den Zahnnerven. Hat es die Karies erst einmal durch den Zahnschmelz geschafft, macht es das weiche Dentin der Karies sehr, sehr leicht sich auszubreiten. Innerhalb eines weiteren halben Jahres wird sie riesig, zerstört große Teile des Zahnes.

Profitipps für dauerhaft gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch (PDF, 207 kB).
Dr. Thorsten Schimmel & Team - Spezialisierter und zertifizierter Zahnarzt für Ästhetische Zahnmedizin, Implantologie und Parodontosebehandlung in Schleswig - Holstein