Parodontitis - das sollten Sie über Parodontose wissen

Was ist Parodontitis?

Parodontose nannte man sie früher, heute wird diese degenerative Erkrankung des Zahnhalteapparates als Parodontitis bezeichnet. Wir Zahnärzte sprechen von Parodontitis, wenn der Zahnhalteapparat sich entzündet hat und durch diese Entzündung abgebaut, d. h. dauerhaft zerstört wird.
Der Zahnhalteapparat (griech. Parodont) wird, wie sein Name schon verrät, von den vier Geweben gebildet, die für einen festen, sicheren Halt des Zahnes im Knochen sorgen:

  • vom Zahnfleisch das den Zahn umgibt
  • von der dünnen Zementschicht auf der Wurzeloberfläche des Zahnes
  • vom Knochen in dem der Zahn steckt
  • und den dünnen, ungeheuer festen Fasern der Wurzelhaut, die den Zement auf der Wurzeloberfläche des Zahnes mit dem Knochen verbinden, und so den Zahn im Knochen verankern.

Ist der Zahnhalteapparat zerstört, beginnen die Zähne zu wackeln. Bild 3 zeigt sehr eindrucksvoll, wie harmlos eine Parodontose klinisch aussehen kann. Der Patient kam wegen regelmäßigem Zahnfleischbluten beim Zähneputzen in unsere Praxis. Das Messen der Taschentiefe deckt die wahren Verhältnisse auf. Im Röntgenbild wird klar, wie stark der den Zahn haltende Knochen bereits abgebaut ist - Parodontitis im Endstadium. Allerdings sind im Bild Warnsignale zu erkennen: bei genauem Hinsehen ist der Zahnfleischrand gerötet, verdickt und geschwollen und blutet beim Putzen.

Parodontitis
Bild 3: Stark durch Parodontitis geschädigtes Gebiss mit geschwollenem Zahnfleischrand. Erst die Röntgenaufnahme zeigt den bereits stark zurückgegangenen Knochen und die Tiefe der Tasche.

Bild 2: Parodontose im Endstadium. Typisches, durch Parodontitis geschädigtes Gebiss mit zurückgegangenem Zahnfleisch und reduziertem Zahnhalteapparat. Diese Zähne sind nicht mehr zu retten.

Diagnostizieren einer Parodontitis mit dem Rauchen aufzuhören, bzw. als Raucher regelmäßig Prophylaxesitzungen in Anspruch zu nehmen, in denen der Zahnhalteapparat ständig überprüft wird. Eine Parodontitis die früh erkannt wird ist viel leichter zum Stillstand zu bekommen, als eine bereits fortgeschrittene.

Wie wird Parodontitis behandelt?

Wenn Sie die letzte Spalte aufmerksam gelesen haben, sollten Sie verstanden haben, dass Parodontitis ein Teufelskreis ist, in den man mit Fortschreiten der Erkrankung immer tiefer hineingerät: Je tiefer die Taschen werden, desto aggressiver werden die Bakterienarten die dort leben und desto schneller wird immer mehr Knochen vernichtet, was zu noch tieferen Taschen führt, in denen noch aggressivere Bakterienstämme siedeln, etc., etc.
Will man diesen Teufelskreis durchbrechen, müssen die Zahnfleischtaschen sorgfältig professionell gesäubert und in ihrer Tiefe reduziert werden. Dabei muss die Wurzeloberfläche sorgfältigst von Zahnstein, Bakterien ihren Zellgiften gereinigt werden. Das macht aber keinen Sinn, wenn der Patient hinterher nicht in der Lage ist, mit Hilfe einer optimalen Mundhygiene dafür zu sorgen, dass ihm kein neuer Zahnbelag in die sauber gemachte Tasche gerät. Deshalb muss zuerst in mehreren Sitzungen die Mundhygiene des Patienten optimiert werden, dann erst werden die Taschen professionell gereinigt. Mit Hilfe des Recalls wird der Patient nach der Behandlung häufiger als andere auf ein Rezidiv der Erkrankung hin untersucht und seine häusliche Mundhygiene durch regelmäßige Prophylaxesitzungen unterstützt.

Wie man Parodontitis erkennt

Warnzeichen für Parodontose kann sein, dass beim Zähneputzen das Zahnfleisch gelegentlich oder immer blutet. Dieses Bluten kann aber auch ausbleiben, besonders bei Rauchern, deren Zahnfleisch schlechter durchblutet ist als bei Nichtrauchern.
Verlässlicher ist es, wenn wir die Tiefe Ihrer Zahnfleischtaschen messen. Das ist schmerzfrei und die gemessenen Werte geben verlässlich Auskunft darüber, ob Sie an einer Parodontitis erkrankt sind oder nicht. Sollte das der Fall sein, leiten wir schnellstmöglich Gegenmaßnahmen ein, um den fortschreitenden Knochenabbau sofort zu stoppen.

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Plaque, und damit auch der Zahnstein, entstehen bevorzugt am Zahnfleischrand der Unterkiefer Frontzähne, wo sich der die Mineralien liefernde Speichel sammelt. Diesen oberhalb des Zahnfleischrandes gelegenen Zahnstein kennen Sie bereits, er wird von uns jedes halbe Jahr im Rahmen der Routineuntersuchung entfernt. Doch bei nicht optimaler Mundhygiene gelangt Zahnbelag auch regelmäßig unter das Zahnfleisch, in die sogenannte Zahnfleischtasche. Hier kann er mit der Zahnbürste nur schwer wieder entfernt werden, und wird unterhalb des Zahnfleisches zu hartem, rauhem Zahnstein.
Als erste Reaktion auf diesen Zahnstein und Zahnbelag unterhalb des Zahnfleischrandes entzündet sich das Zahnfleisch durch die Säure, die die Bakterien abgeben. Wir nennen das Gingivitis (Gingiva = lat. Zahnfleisch). Bleibt die Entzündung über längere Zeit bestehen, werden die anderen Teile des Zahnhalteapparates angegriffen: der Knochen löst sich auf und schwindet, die den Zahn haltenden Fasern der Wurzelhaut werden aufgelöst und der Zement auf der Wurzeloberfläche sitzt voller Bakterien und ihrer Gifte, die die Entzündung weiterhin unterhalten. Jetzt sprechen wir von Parodontitis. Durch das Auflösen des Knochens wird die Zahnfleischtasche immer tiefer. Je tiefer jedoch die Taschen sind, desto weniger Sauerstoff gelangt an den Boden der Tasche. Und je weniger Sauerstoff an den Boden der Zahnfleischtasche gelangt, desto aggressivere, anaerobe Bakterienarten siedeln sich dort an. Je aggressiver diese Bakterienarten in der Tasche sind, desto schneller und nachhaltiger zerstören sie den Zahnhalteapparat. Sie ahnen sicherlich schon worauf es hinausläuft: Letztendlich ist der gesamte Zahnhalteapparat zerstört, die Zähne wackeln immer stärker und fallen aus. Wir erleben Patienten, die uns erzählen, dass sie sich einen wackeligen Zahn mit der Hand ziehen konnten. Jetzt wissen Sie wie so etwas möglich ist.

Zurück zu unserer Fragestellung, wie Parodontitis entsteht. Die Antwort lautet: durch unzureichende Mundhygiene. Wer nur die Zahnbürste benutzt, reinigt die Zahnzwischenräume nicht ausreichend, und genau in diesen Zahnzwischenräumen beginnt die Parodontitis meist ihr zerstörerisches Werk. Wer keine Parodontitis möchte, muss wissen wie er seine Zähne zu pflegen hat. Und wer die Tricks lernen möchte um das optimal zu tun, sollte sie sich im Rahmen einer Prophylaxesitzung in unserer Praxis zeigen lassen.

Rauchen und Parodontitis

Bei Rauchern findet sich nicht nur viel häufiger Parodontitis als bei Nichtrauchern, die Erkrankung ist meist auch deutlich stärker fortgeschritten. Wer bis zu zehn Zigaretten täglich raucht, hat nach neuesten Erkenntnissen ein dreifach erhöhtes Parodontose Risiko. Das zerstörte Immunsystem der Mundhöhle bedingt tiefere Zahnfleischtaschen, einen stärkeren Abbau des Kieferknochens und erheblich schlechtere Heilungschancen. Auch die Frühwarnzeichen der Parodontitis wie Blutungen und Schmerzen beim Putzen bleiben durch die schlechte Durchblutung des Zahnfleisches aus. Die Erkrankung wird also viel später bemerkt. Darüber hinaus steigt die Gefahr, an Mundhöhlenkrebs zu erkranken, bei Rauchern auf das Vierfache im Vergleich zu Nichtrauchern.
Bei gleichzeitigem, regelmäßigem Alkoholgenuss liegt dieses Risiko sogar beim bis zu Fünfzehnfachen. Alles sehr gute Gründe, um spätestens beim

Bild 1: Klinisch zeigt sich ein geschwollenes, beim Putzen blutendes Zahnfleisch sowie Zahnstein in den Zahnzwischenräumen und unterhalb des Zahnfleischrandes. Im Röntgenbild ist der starke Knochenabbau zu erkennen, der bereits mehr als 50% der ursprünglichen Knochenhöhe vernichtet hat.

Die großen Brüder der Parodontitis

Raucher und Diabetiker erkranken viel häufiger an Parodontitis als Nichtraucher und Patienten ohne Diabetes. Menschen mit psychsozialem Stress erkranken eher als Personen ohne solchen. Leider beschränkt sich Parodontitis als bakterielle Erkrankung nicht allein auf die Zähne. Das fand man heraus als man feststellte, dass an Parodontose erkrankte Menschen später häufig an Herz-Kreislauferkrankungen und den damit verbundenen Herzinfarkten leiden. Schwangere mit Parodontitis erleiden viel häufiger Frühgeburten. Bei allen an Parodontitis Erkrankten kommen bei jedem blutigen Zähneputzen Bakterien ins Blut. Dass sich die gern an den Herzinnenwänden ansiedeln ist bekannt, schwere Behinderung kann die Folge sein. Aus unserer Sicht viele gute Gründe, den eigenen Zähnen und ihrer Gesundheit besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Wie entsteht Parodontitis?

Parodontitis hat die selbe Ursache wie Karies. Bakterien die sich von Zucker ernähren, bilden einen weichen Zahnbelag (Plaque), in dem sie leben, der auf dem Zahn klebt, und dem wir jeden Tag mehrmals mit der Zahnbürste zu Leibe rücken müssen, um ihn zu entfernen. Dort wo wir ihn nicht komplett entfernt bekommen, wird er innerhalb weniger Tage durch die Mineralien im Speichel zu hartem Zahnstein.

Profitipps für dauerhaft gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch (PDF, 207 kB).
Broschüre zum Thema Professionelle Zahnreinigung und Prophylaxe (PDF, 191 kB).

Knochenaufbau nach Parodontitis

Die zweite Chance

Mit Hilfe der modernen Parodontologie sind wir heute in der Lage, verlorengegangenes Knochengewebe in bestimmten Fällen wieder zu gewinnen oder durch andere Materialien zu ersetzen. Mit Hilfe neuer Techniken bekommen nicht nur Ihre Zähne wieder einen festen Halt, auch die Tiefen der Zahnfleischtaschen verringern sich und sorgen wir auch für eine deutlich verbesserte Ästhetik im Bereich des Zahnfleisches.

Die geführte Geweberegeneration ist eine Methode, bei der in die operativ freigelegte Knochentasche zwischen Zahnfleisch und Zahnhalteapparat eine Folie bzw. Membran eingebracht wird. Sie schirmt die Knochentasche vom Zahnfleisch ab. Dadurch kann der Körper die langsam wachsenden Knochenzellen wieder aufbauen, bevor die viel schneller wachsenden Zellen des Zahnfleisches den Raum füllen, den ehemals der Knochen eingenommen hat. Durch diese Methode der Wachstumssteuerung hat das körpereigene Knochengewebe unter der Membran die Möglichkeit und genügend Zeit, den entstandenen Defekt auf natürliche Weise wieder zu füllen. Nach ca. 6 Wochen wird die Membran im Rahmen eines kleinen Eingriffs wieder entfernt.

Knochentransplantate

Im Rahmen eines operativen Eingriffes wird an einer nicht erkrankten Kieferstelle Knochen entnommen und in den Defekt der Knochentasche transplantiert. Die Entnahmestelle heilt in kurzer Zeit in ihren ursprünglichen Zustand. Das eingesetzte Material wird schnell von neuem Stützgewebe umschlossen, das festen Halt für den Zahn liefert.

Knochenersatzmaterialien

Eine weitere Möglichkeit besteht aus dem Einbringen körperfremder Substanzen, meist in Form von Granulaten. Sie füllen den Defekt in der Knochentasche auf.

Körperfremde Wachstumsproteine

In letzter Zeit macht eine Methode aus Schweden von sich reden, in der körperfremde Wachstumsproteine auf die gereinigte Zahnoberfläche in der Knochentasche aufgebracht werden. Sie werden aus Schweineembryonen gewonnen und bilden neuen Knochen sowie einen neuen Zahnhalteapparat. Ergebnisse sehen Sie in den Bildern links.

Das sollten Sie wissen

All diesen Methoden sind Grenzen gesetzt. Es ist derzeit nicht in allen Fällen möglich, den durch Parodontitis oder andere Umstände verlorengegangenen Knochen wieder zu regenerieren.

Welche der o. g. Methoden Aussicht auf größtmöglichen Erfolg verspricht, muss nach einer gründlichen Untersuchung im Einzelfall, nach der Parodontosebehandlung entschieden werden. Dabei stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Während der Einheilzeit und danach ist eine intensive, individualprophylaktische Betreuung durch zahnmedizinisches Fachpersonal unbedingt erforderlich, denn die Gefahr einer Neuerkrankung ist groß. Auch nach der Behandlung können Sie zur Sicherung eines dauerhaften Behandlungserfolges nicht auf eine regelmäßige professionelle Prophylaxe verzichten.

Bild 4: Röntgenbilder einer tiefen Knochentasche vor und nach der Behandlung

Knochentasche auf. Der umliegende, natürliche Kieferknochen nutzt das Ersatzmaterial als Leitstruktur, durchwächst es und bindet es in sich ein, oder er löst das körperfremde Material auf und ersetzt es. Die Methode funktioniert sehr gut, wenn eine Kombination von Knochenspänen und Knochenersatzmaterialien eingebracht wird, die unter der Membran schnell für die Bildung neuer Knochenstrukturen sorgen.
Für eine solche autologe Augmentation wird der eigene Knochen an verschiedenen Stellen des Mundes unauffällig entnommen. Häufige Entnahmestelle ist die Region hinter den Weisheitszähnen. In Verbindung mit Membrantechniken eingesetzt liefert die Methode gute Ergebnisse.

Dr. Thorsten Schimmel & Team - Spezialisierte und zertifizierte Zahnärzte für Ästhetische Zahnmedizin, Implantologie und Parodontitisbehandlung in Schleswig - Holstein